Die Sache mit dem Foto

Seitdem wir unsere Unterlagen bei Der ING-Diba eingereicht haben, läuft alles wie am Schnürchen. Wir bekommen regelmäßig E-Mails und Briefpost mit den neusten Bearbeitungsständen unserer Darlehensanfrage zugeschickt. Jedes Mal denke ich, wie gut das alles klappt – dass überhaupt keine Probleme auftreten.

Heute dann steckt ein Schreiben im Briefkasten: […] ein Foto der Immobilie wird benötigt […] Sie müssen sich um nichts kümmern […] in den nächsten Tagen wird ein Fotograf vorbeikommen […]

Klingt erstmal ganz harmlos und zudem komfortabel. Wir müssen nicht mal dabei sein, wenn die Fotos gemacht werden. Fragt sich nur, ob der Fotograf den Ort überhaupt findet. Und wenn ja, ob ihn die dort noch wohnende Eigentümerin überhaupt auf das Grundstück lässt …!?!

Was sich erst witzig in meinem Kopf anhört beginnt auf einmal wieder zu einem Worst-Case-Szenario zu werden. Was ist, wenn der Fotograf an der angegebenen Adresse nur in den dichten Wald guckt und der Bank mitteilt, dass da gar kein Haus steht. Gibt es vielleicht Betrugsfälle, wo genau so etwas schonmal passiert ist. Die Bank verlangt das Haus schließlich als Sicherheit. Was ist, wenn es dem ersten Anschein nach gar kein Haus gibt?!? Wird man uns den Kredit nachträglich noch streichen?!?

Mir wird ganz mulmig und ich will sofort mit der Bank sprechen. Doch der Support ist eher auf ein reines Onlinebanking ausgelegt und ich hänge ewig und drei Tage in der Telefonschleife. Als ich nach 35 Minuten jemanden an der Strippe habe, weiß ich im ersten Moment überhaupt nicht mehr, was ich eigentlich will. … Ach ja, der Fototermin. Ich erkläre der Mitarbeiterin die besondere Zuwegung. Doch sie kann um Grunde überhaupt nichts für mich tun, weil die Fotoaufträge natürlich von externen Dienstleistern ausgeführt werden, die zudem eine ganz eigene Terminplanung haben. Sprich, ich kann nicht mal herausfinden, wann der Fotograf kommen wird, um die Eigentümerin vorzuwarnen.

So entsteht am Ende nur eine Aktennotiz, dass ich die Bank auf die besonderen Umstände bei einer Ortsbegehung aufmerksam gemacht habe. Sollte also von dem Fotografen die Rückmeldung kommen, dass er nichts finden konnte, wäre man zumindest vorgewarnt.

Warum die Bank diese Fotos überhaupt haben will, bleibt mir am Ende ein Rätsel. Warum nimmt man nicht ein Foto aus unserem Exposé? Oder geht es am Ende gar um eine nachträgliche Bewertung des Hauses? … Ich rechne mit der verblüfften Nachfrage eines Bankmitarbeiters.

Zwei Wochen später

Als nach zwei Wochen nichts passiert, rufe ich wieder bei der Bank an. Dieses Mal habe ich nach geschlagenen 47 Minute jemanden in der Leitung. Die Frau am Telefon klingt nett und entspannt. Bei meinem letzten Anruf hatte es ewig gedauert, bis mein Gesprächspartner das “Wie” und “Warum” überhaupt verstanden hatte. Also will ich dieses Mal nicht gleich wieder einen auf Geschichtenerzähler machen. Ich frage die Dame, wie denn der Stand der Dinge sei und ob von uns noch etwas benötigt wird. Sie checkt unsere Akte: “Ja … nein … da wäre noch der Treuhandauftrag (zur Löschung der Restschuld bei der vorherigen Kreditbank) und die Fälligkeitsmitteilung (die den Auszahlungsprozess in Gang setzt) – beides erwarten wir von ihrem Notar. Aber damit hätten wir es. Dann sind Sie durch und wir zahlen aus.” Ich frage sie, wie es mit dem Foto aussieht, das von der Immobilie gemacht werden sollte. “Moment … ja, da ist was gekommen …!?!” Ich werde stutzig. Hat die Eigentümrin den Fotografen tatsächlich ein paar Bilder machen lassen? Die Frau am anderen Ende klickt sich durch ein paar Ordner. “Ah, hier … es gibt … EINE Bilddatei.” Sie scheint sich zu wundern, warum es nur EIN Bild ist. Bei mir steigt die Spannung. “Moment, ich öffne das mal …” Dann wird sie still. Ich frage, was sie sehen kann. Sie antwortet: “grünen Wald!” …

Ich würde die Geschichte gern hier enden lassen, denn es ist ein witziger Schlusssatz von einer Person, die indirekt über die Auszahlung einer großen Kreditsumme an uns mitentscheidet. Doch sicherlich kommt jetzt die Frage auf, ob das Foto nun gut oder schlecht ist. Vorab, dass Foto ist überhaupt nicht relevant und dient tatsächlich nur der Vervollständigung unserer Akte; damit die Bank quasi ein Bild von ihrem Pfand hat. Und wenn man es genau nimmt, will man mit diesem "unabhängigen" Fotoauftrag sicherstellen, dass wir uns von dem geliehenen Geld keine Tiefgarage kaufen. Doch ein Foto von einem Wald soll es wohl noch nicht gegeben haben. Auf dem Bild ist weiterhin auch noch das Schild "Privatweg" zu erkennen. Der Fotograf hat sich somit völlig richtig verhalten und ist nicht unbefugt weiter in den Wald gefahren. Die Noch-Eigentümerin wird das freuen.

Am Ende sind wir so verblieben, dass uns – wenn auch nicht ganz unabhängig – ausnahmsweise gestattet wird, selber Bilder unserer Glitzerbude 3.0 der Bank zukommen zu lassen. … Oder sollte ich zum Spaß ein Foto von einer Tiefgarage schicken?!

2 Antworten auf „Die Sache mit dem Foto“

  1. Hallöchen Mike,
    Herzlichen Glückwunsch zum Kauf eures Traumhauses. Mega Story.
    Wie wünschen Euch viel Freude beim verwirklichen Eurer Träume.
    Echt Cool.
    LG
    Heike und Kurt Kahnt

    1. Hallo Heike,

      vielen Dank euch beiden. Es ist eine wahre “Once-in-a-Lifetime”-Geschichte.

      Liebe Grüße von den Waldschrats 😀

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